Mit dem Fahrrad und Cubatrotter durch Kuba

Mieke & Reiner Frahm

Februar 2018

Kuba mit dem Fahrrad erkunden

Im Februar 2018 haben wir als älteres Ehepaar Kuba im Rahmen des Cubatrotter-Programms „Kleingruppe Kuba Bike Cross Over“ erkundet. Auf einer Bus-Rundreise ein Fahrrad dabeizuhaben, eröffnet eine Vielzahl von Eindrücken, die einem verschlossen bleiben, wenn man die Welt nur durch die Fensterscheibe wahrnehmen kann.

Ankunft in Havanna

Flugplatz Havanna: Problemlose Einreise mit dem von Cubatrotter gelieferten Visum, die Einfuhrbestätigung für Bargeld wurde im Flugzeug ausgeteilt, ausgefüllt und nur noch eingesammelt, aber nicht mehr überprüft. Reiner Bürokratenakt. Leider mussten wir eine Dreiviertelstunde auf unser Gepäck warten, weil zu unserer Ankunftszeit noch zwei weitere Maschinen gelandet waren und die Koffer auf dem Fließband gemischt wurden.

Beginn unserer Fahrradtour

Start am nächsten Morgen wie angekündigt um halb neun: Wir stehen in der Empfangshalle, schauen um uns, warten eine Viertelstunde, aber wo ist wohl unsere Gruppe zwischen all den anderen, die bereits abgeholt werden? Da stürmt ein großgewachsener dunkelhäutiger Kubaner ins Foyer und ruft ins Rund: „Bist Du Hermine?“ Das ist einer der Vornamen, wie im Reisepass angegeben. Da sind wir schon mal zu dritt. Juan Carlos, unser sehr gut Deutsch sprechender Reiseleiter, hat nur noch ein weiteres Ehepaar auf seiner Liste, das ist die ganze Gruppe und natürlich Luxus: zwei Paare, ein Reiseleiter und ein Busfahrer, Roberto, die uns die ganze Zeit zur Verfügung standen und auch mal eine gerissene Fahrradkette reparierten. Und wenn man sich dann auch noch mit dem anderen Paar gut versteht, wie in unserem Fall, hat unter diesen Bedingungen eine solche Reise den Charakter einer Privattour.

Weil Juan Carlos auch die Feinheiten der deutschen Sprache beherrscht, hatten wir einen exzellenten Dolmetscher, mit dessen Hilfe wir problemlos Kaufverhandlungen führen und auch bei Einheimischen hinter die Kulissen schauen konnten. Hinzu kamen seine ausgezeichneten Orts- und Sachkenntnisse und die Flexibilität, auf alle unsere (Sonder-)Wünsche zwecks Besichtigungen, Zwischenstopps und weiterer Planung einzugehen.Die Rundreise, ergänzt durch Fahrradtouren, ist unbedingt zu empfehlen. Die Fahrräder waren in hervorragendem Zustand und gut gewartet. Die mit dem Rad zu fahrenden Etappen lagen zwischen 20 und 50 km und waren gut zu bewältigen, keine langen Steigungen, und wem die Temperaturen zwischen 27 und 32°C denn wirklich zu hoch waren, der konnte ja in den unmittelbar hinter der Gruppe fahrenden klimatisierten Bus steigen. Es ist keine Rundreise für Radsportler, die Rekorde aufstellen möchten. Solche haben wir auch getroffen, aber die waren privat unterwegs und schnell an uns vorbei.

Die angebotene Kombination von Busfahrten, Besichtigungen zu Fuß und Radtouren bei angemessener Freizeit ist sehr ausgewogen. Mit dem Rad ist Kuba hautnah im wahrsten Sinne zu erleben. Unvergesslich die rasante Abfahrt von Topes de Collantes auf 800m Höhe durch den Urwald hinunter ins Tal bis nach Manicaragua. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Straßen auf Kuba in zum Teil sehr schlechtem Zustand sind. Vor allem auf der Strecke Vinales-Jutias muss man ununterbrochen auf die Straße achten. Zwischenstopps an Stellen mit grandioser Aussicht oder ein Besuch bei Köhlern entschädigen dann aber für die Mühe. Nirgends gibt es Radwege. Deshalb sollte unbedingt ein Helm mitgebracht werden, besser noch: In der Fahrrad-Entleihstation müsste einer gestellt werden. Entschädigung für schlechte Straßenverhältnisse: Die letzten 15 km der Rundreise zurück Richtung Havanna fanden auf der gut ausgebauten Autobahn statt! Und das in guter Gesellschaft mit Fußgängern, Anhaltern, Pferdegespannen und Ochsenkarren. In Deutschland unvorstellbar!

Essen und Unterkünfte

In den ersten Tagen war Mittagessen vorgesehen. Gut gemeint, aber im Tagesablauf ging viel Zeit verloren, denn es waren festgelegte staatliche Restaurants mit gutem Essen, aber sie lagen abseits des bereits erreichten mitttäglichen Zwischenziels. Das bedeutete, dass wir am ersten Tag aus der Innenstadt Havannas etliche Kilometer rausfahren mussten, dann längere Zeit am Tisch saßen, … ja, und dann war der halbe Nachmittag schon vorbei, sodass es sich kaum noch lohnte, wieder in die Innenstadt zurückzufahren. Das Gleiche galt für Vinales, auch da wieder zurück, gutes Essen, aber was hätte man in der Zeit alles in Ruhe anschauen können?

Angemessen war das Mittagessen nach der langen Fahrt auf der Cayo Jutias, man hätte in dem einzigen dortigen Lokal wohl auch privat etwas bekommen, aber mit einer Gruppe ist das immer so eine Sache. Mittagessen hätten insgesamt ausfallen können, weil ja an den ersten Tagen immer am Abend ein Abendessen vorgesehen war. Eine kurze Freizeit, um bei Bedarf individuell einen kleinen Imbiss zu nehmen, hätte gereicht. In den Casas Particulares wird in der Regel Essen angeboten. So wurden wir hervorragend von den Wirtsleuten in Trinidad zu einem angemessenen Preis bekocht. In Cienfuegos hatte der Wirt gerade keine Köchin im Haus, aber in einem Restaurant gab es hervorragenden Hummer zu sehr zivilen Preisen.

Die Unterbringung in den Casas hat uns besonders gut gefallen, da dort nur wenige Zimmer zur Verfügung stehen und man dadurch dichter am kubanischen Alltagsleben ist. Man wohnt schließlich bei einer kubanischen Familie. Fast alle Eintritte waren im Reisepreis enthalten. Am ersten Tag in Havanna war der Besuch einer Tangoschule im Programm angekündigt. Der Besuch war aber fakultativ und sollte 15 CUC kosten. Wir sind stattdessen noch auf die Plaza de la Revolucion gefahren. 

Schock nach einer abswechslungsreichen, stimmungsvollen Rundreise

Der Wechsel nach Varadero, in unserem Fall ins Sol Palmeras. Nach einer so großartigen Rundreise mit so vielen Eindrücken des echten Lebens, mit kubanischer Musik und abwechslungsreichem Essen ist der Wechsel nach Varadero ein Kulturschock in die Welt des weltweiten Massentourismus. Zum Ausspannen ist das Hotel wohl geeignet, wenn man es mental schafft, vom Massenrummel unbeeindruckt zu bleiben. Wir konnten nach den Eindrücken gut noch ein paar Tage runterfahren. Es gab unaufdringliche Animation, Musikbeschallung auch am Strand, der man sich aber durch ein paar Schritte zu abseits aufgestellten Liegen gut entziehen konnte.

Aber jeden Abend gab es dann ein Unterhaltungsprogramm-Massenspektakel, dessen wichtigstes Kriterium die hohe Lautstärke war – und das Abend für Abend. Das alles hatte aber nichts Kubanisches!! Es ist austauschbar und kann irgendwo auf der Welt zwischen Buffet und Strand aufgeführt werden. Das Essen im Sol Palmeras ist gut, aber nicht abwechslungsreich, dafür eine große Auswahl auf dem Büfett. Empfehlenswert sind deshalb die vier Spezialitäten-Restaurants. Man muss sich rechtzeitig anmelden. Aber auch hier nichts typisch Kubanisches, sondern mexikanisch, asiatisch, italienisch. Die Hotelanlage an sich ist schön, sauber, von Gärtnern sorgsam gepflegt und weitläufig mit direktem Strandzugang und schönem Sandstrand. An der Playa Ancon, wo wir im Rahmen der Rundreise waren, sind die Umgebung und das Riff schöner.

Unvergessliche Eindrücke mit Cubatrotter

Alle genannten Kritikpunkte sind auf hohem Anspruchsniveau zur Perfektionierung anzusehen. Insgesamt war es eine hervorragende Reise mit unvergesslichen Eindrücken von einem sozialistischen Land mit beeindruckender Geschichte, das mit erheblichen wirtschaftlichen und politischen Problemen konfrontiert ist. So hat Busfahrer Roberto, um mal wieder volltanken zu können, auf der Rückfahrt zwischen Trinidad und Havanna alle Tankstellen angefahren, aber erst nach ca. 350 km Suchen in Matanzas eine gefunden, die Diesel hatte. Da wird man als Mitfahrer doch unruhig, aber wir hatten ja Fahrräder dabei. Und, das muss am Schluss erwähnt werden, wir haben fast ausschließlich unglaublich nette Menschen getroffen, die den „verrückten Radfahrern“ freundlich zuwinkten. Nirgends haben wir uns unsicher gefühlt.

Auch alleinreisende Frauen können sich abends und nachts völlig problemlos in der Öffentlichkeit auf Straßen und Plätzen aufhalten. Gelobt werden muss die exzellente Organisation von Seiten „Cubatrotter“. Es haben alle im Reiseablauf angekündigten Unternehmungen geklappt – mit einer Ausnahme: Schlusstransfer von Havanna ins Anschlusshotel in Varadero. Wir haben im Hotel in Havanna zwei Stunden auf einen Bus gewartet, und als nach einem Anruf bei „Sprachcafe“ feststand, dass wir auf keiner Transfer-Liste standen, haben wir selbst ein Taxi bestellt und bezahlt. Wir haben uns vom Taxifahrer eine Quittung ausstellen lassen und sie nach unserer Rückkehr bei Cubatrotter eingereicht. Den vorgestreckten Betrag von 140 CUC haben wir umgehend erstattet bekommen. Wenn ein Problem so problemlos gelöst werden kann, besteht kein Grund zur Unzufriedenheit.

Also vielen Dank allen Beteiligten, dass wir eine erlebnisreiche Reise über eine wundervolle Insel genießen konnten.

Gebuchte Reise

Bike Cross Over | 12 Tage

Wenn du ein Fahrradfan bist, dann entdecke Kuba mit dem Rad. Tabakplantagen, koloniale Architektur & kubanische Musik

1380 Euro